Mehr vom eigenen Business
Warum viele Selbstständige oft am falschen Problem arbeiten
16.03.2026
Viele Menschen starten in die Selbstständigkeit mit einer ziemlich klaren Vorstellung.
Mehr Freiheit.
Mehr Gestaltungsspielraum.
Mehr vom eigenen Leben.
Keine Meetings mehr, die nichts bringen.
Kein Chef, der Entscheidungen trifft, die man selbst anders getroffen hätte.
Und vielleicht irgendwann sogar weniger Arbeit.
So zumindest die Hoffnung.
Die Realität sieht oft anders aus.
Viele Selbstständige arbeiten mehr als vorher.
Nicht nur ein bisschen mehr.
Sondern deutlich mehr.
Sie tragen Verantwortung für alles.
Für Kunden.
Für Geld.
Für Entscheidungen.
Und irgendwann entsteht eine merkwürdige Situation:
Man hat das eigene Business aufgebaut – aber das Business bestimmt immer noch den Alltag.
Wie ich selbst in diese Situation gekommen bin
Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich mir darüber ehrlich gesagt gar nicht so viele Gedanken gemacht.
Ich wollte einfach mein eigener Chef sein.
Und das war ich dann auch.
Nur leider war ich am Anfang kein besonders guter Chef zu mir selbst.
In den ersten Jahren habe ich mich körperlich ziemlich übernommen.
Ich habe gearbeitet, weil Arbeit da war.
Ich habe Aufträge angenommen, weil sie möglich waren.
Und ich habe selten darüber nachgedacht, wie viel eigentlich genug ist.
Der Familienzuwachs hat diese Problematik nicht gerade vereinfacht.
Die ersten drei Jahre meiner Selbstständigkeit waren deshalb vor allem eines: Sehr arbeitsintensiv.
Nicht unbedingt, weil es nötig gewesen wäre.
Sondern weil ich mein Business so aufgebaut habe, dass ständig etwas zu tun war.
Das eigentliche Problem
Wenn Selbstständige irgendwann unzufrieden werden, liegt das selten an zu wenig Umsatz.
Natürlich spielt Geld eine Rolle.
Aber das eigentliche Problem liegt oft woanders.
Viele arbeiten ständig an den falschen Stellschrauben.
Mehr Umsatz.
Mehr Kunden.
Mehr Wachstum.
Das klingt logisch.
Aber mehr Umsatz löst nicht automatisch die Probleme, die viele Selbstständige eigentlich haben.
Oft verschiebt es sie nur.
Die unsichtbare Belastung
Selbstständigkeit bringt eine besondere Art von Druck mit sich.
Nicht unbedingt von außen.
Sondern eher im eigenen Kopf.
Man könnte immer noch etwas verbessern.
Noch ein Projekt annehmen.
Noch eine Idee umsetzen.
Viele Selbstständige arbeiten deshalb nicht so viel, weil sie müssen.
Sondern weil sie immer könnten.
Diese permanente Möglichkeit macht müde.
Und manchmal auch erschöpft.
Vielleicht kennst du das Gefühl, dass Selbstständige eigentlich nie wirklich Feierabend haben.
Darüber habe ich hier einmal ausführlicher geschrieben: Warum Selbstständige nie Feierabend haben.
Was ein Business langfristig ruhig macht
Über die Jahre habe ich gelernt, dass ein gutes Business nicht unbedingt größer werden muss.
Es muss vor allem klarer werden.
Klar in seinen Angeboten.
Klar in seinen Abläufen.
Klar in seinen Grenzen.
Ein Business, das ständig Aufmerksamkeit braucht, wird früher oder später zum Vollzeitprojekt.
Und damit sind nicht 40 Std. Vollzeit gemeint, sondern eher 7 Tage a 24 Std.
Zumindest im Kopf.
Ein Business mit klaren Strukturen dagegen kann erstaunlich ruhig werden.
Zum Beispiel, wenn man akzeptiert, dass Selbstständigkeit nicht bedeutet, alles selbst zu machen.
Darum geht es auch hier: Selbstständig sein heißt nicht, alles selbst zu machen.
Erfolg sieht heute anders aus
Viele Jahre dachte ich, Erfolg hätte etwas mit Wachstum zu tun.
Mehr Umsatz.
Mehr Projekte.
Mehr Möglichkeiten.
Heute sehe ich das anders.
Erfolg bedeutet für mich inzwischen eher:
- gute Einnahmen
- überschaubare Verantwortung
- und ein Alltag, der nicht permanent von Arbeit bestimmt wird.
Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass weniger Arbeit manchmal mehr Disziplin erfordert als mehr.
Darüber habe ich hier geschrieben: Warum 20–30 Stunden Arbeit mehr Disziplin erfordern als 50.
Weniger arbeiten ist schwieriger als mehr
Interessanterweise ist es oft leichter, mehr zu arbeiten als weniger.
Mehr Projekte anzunehmen ist einfach.
Weniger anzunehmen erfordert Entscheidungen.
Und manchmal auch Mut.
Denn weniger Arbeit bedeutet auch:
- Erwartungen neu zu definieren
- Grenzen zu setzen
- und die eigene Vorstellung von Erfolg zu hinterfragen.
Dass weniger Arbeit nicht automatisch Faulheit bedeutet, darüber habe ich hier einmal geschrieben: Weniger arbeiten ist keine Faulheit.
Warum ich diesen Blog schreibe
Viele Blogs über Selbstständigkeit drehen sich um Optimierung.
Mehr Produktivität.
Mehr Umsatz.
Mehr Wachstum.
Das hat alles seine Berechtigung.
Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass mich eine andere Frage mehr interessiert: Wie viel Arbeit ist eigentlich genug?
Genau darum geht es in diesem Blog.
Um Selbstständigkeit jenseits von Hustle-Mythen.
Um Entscheidungen im Alltag.
Und um die Frage, wie man ein Business baut, das zum eigenen Leben passt.
Wenn du neu hier bist
Dann könnten diese Artikel ein guter Einstieg sein:
Warum wir glauben, keine Zeit zu haben
Warum Selbstständige nie Feierabend haben
Die Illusion vom passiven Einkommen
Warum Produktivität kein Lebensziel ist
Und wenn du tiefer einsteigen möchtest
Aus vielen dieser Gedanken ist irgendwann mein Workbook entstanden.
Es heißt "Reich an Zeit".
Darin geht es nicht darum, schneller zu arbeiten.
Sondern darum, ein Business so zu gestalten, dass Arbeit und Leben wieder besser zusammenpassen.
👉 Mehr zum Workbook Reich an Zeit
Themen in diesem Blog
In diesem Blog schreibe ich vor allem über vier Bereiche.
Selbstständigkeit & Verantwortung
Warum Selbstständige nie Feierabend haben
Selbstständig sein heißt nicht, alles selbst zu machen
SelbstUNständig – 11 Schnitte, ohne die dein Business dich auffrisst
Arbeit & Zeit
Warum wir glauben, keine Zeit zu haben
Warum 20–30 Stunden Arbeit mehr Disziplin erfordern als 50
Weniger arbeiten ist keine Faulheit
Business-Mythen
Die Illusion vom passiven Einkommen
Warum Produktivität kein Lebensziel ist
Leben neben der Arbeit
Vom Dilemma, Vater zu sein und trotzdem nicht nur zu funktionieren


